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Kosmobits Arduino Experimentierkasten für Kinder im Test

kosmobits-test-produkt-bewertungFür Kids und Jugendliche mit einsetzender Pubertät ist gerade KosmoBits erschienen, ein neuer Experimentierkasten von Kosmos. Dabei handelt es sich um ein Arduino-Set mit Microcontroller, Sensoren, Handbuch und einem besonderen Clou: Neben den typischen Experimenten lässt sich ein Game-Controller bauen, damit man  „spielend programmieren lernt“.

Damit liegt die Latte ziemlich hoch, denn das Computerspiel soll gleichzeitig Spaß machen und so etwas komplexes wie Programmierung vermitteln. Ob das gelingen kann, schauen wir uns in diesem ausführlichen Testbericht und Review-Video an.

Kosmos KosmoBits Hardware

Verglichen mit dem original Arduino-Starter-Kit (für Erwachsene) ist die Kiste ziemlich groß. Dürfte also unter dem Weihnachtsbaum oder auf dem Geburtstagstisch einen entsprechenden Eindruck hinterlassen. Alles ist darin dick gepolstert und sicher untergebracht.

kosmos-kosmobits-hardware

Unter anderem enthält das Set:

  • eine besonderes Kosmobits Arduino-Board mit Bluetooth
  • eine Controller- bzw. Experimentierplatine
  • 4 verschiedene Sensoren (Temperatur, Licht, Bewegung, Sound)
  • eine große Steckplatine
  • ein paar Kabel
  • LEDs und Widerstände
  • ein Akku
  • mehrere Teile (Gehäuse und Buttons) aus denen der Game-Controller gebaut wird

Und es gibt natürlich ein Handbuch, welches zum großen Teil aus zusätzlichen Experimenten besteht.

Die Hardware-Qualität ist sehr gut! Stabiler Kunststoff, nirgendwo auch nur ein Hauch von Weichmacher-Geruch, keine scharfen Kanten oder Ecken und die Platinen sind wirklich professionell und sauber verarbeitet.

Das erste Zusammenstecken des Controllers und der Sensoren wird im Handbuch erklärt. Letztere kriegen bunte Plastikhüllen in Form von Robotern für das Spiel. Es ist jedoch nicht ganz so einfach wie mit dänischen Plastikbausteinen spielen, darum sollten Mama oder Papa als Starthilfe mit dabei sein.

Das Kosmobits Spiel

Das Spiel braucht ein iOS oder Android-Gerät – sowohl Smartphones und Tablets werden unterstützt – und muss aus dem Apple App Store bzw. von Google Play geladen werden. Auf meinem iPhone 6 läuft die App absolut flüssig, mein älteres iPad 3 würde ich als untere Grenze für die Spielbarkeit bezeichnen. Das sollte man beachten, denn schließlich haben die Kids und Jugendlichen nicht unbedingt die neueste Hardware.

Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Es ist ein Jump ’n Run, man sammelt kleine Monster ein um damit Lücken im Programmiercode zu füllen und man verwandelt sich durch Aufstecken der Sensoren in spezielle Roboter um Hindernisse zu überwinden. Zwischendrin verrät ein zweiter Charakter im Spiel etwas über die Programmierung des Arduino.

Zwischen Spielspaß und Lernen

Die Idee ist ziemlich gut, leider trifft das Spiel den schmalen Grat zwischen Spielspaß und Wissensvermittlung nicht ganz. Die Spielfigur moonwalkt müde vor sich hin, lässt sich unpräzise steuern und fällt dadurch immer wieder in – teilweise unfair versteckte – Löcher. Dadurch sterbe ich chancenlos, anstatt eine kniffelige Situation geboten zu bekommen, die ich durch Geschick oder Intelligenz meistern kann.

Durch Einstecken der Sensoren verwandelt sich mein Spieler in einen Roboter. Mit diesem lassen sich dann entsprechende Hindernisse aus dem Weg räumen. Leider ist das Einstecken ziemlich fummelig, die Sensoren reagieren zäh und der Roboter braucht lange um den Block zu zerstören. Einen Bildschirm weiter  wiederholt sich dann das Ganze. Anstatt es spannend zu machen und dem Spieler gleich mehrere Sensoren zu Verfügung zu stellen damit er selbst nach einer Lösung suchen kann, darf ich am Anfang erst mal nur den Bewegungssensor benutzen. Keine interessante Herausforderung sondern ein bloßes Wiederholen.

Im übrigen lassen sich viele Teile des Spiels nicht mit dem Controller bedienen. Ich wechsel also ständig hin und her. Mit einem Tablet mit Aufsteller-Hülle ist das irgendwie okay, doch mit einem Smartphone, zu dem wohl kaum jemand einen Aufsteller hat, nervt das.

Lernen mit einem Spiel?

Die Monster sind eine ganz smarte Idee: Jedes Monster steht für einen bestimmen Programmier-Befehl, z.B. das Monster mit dem Springseil für „void loop“. Ich sammle diese im Level ein, erreiche am Ende einen Computer und muss die eingesammelten Monster in die richtigen Lücken in einen Programmiercode einsetzen. Das ist total pfiffig, weil ich nicht wirklich programmieren muss sondern quasi durch drag & drop spielerisch Code erzeuge.

Nur ist das erste, was ich mit dem KosmoBits Kasten ausprobiere, das Spiel. Ich kann noch gar nicht programmieren. Das soll mir an der oberen Bildschirmecke Spielecharakter Nummer Zwei zwischendurch beibringen. In zu kleiner Schrift – zumindest auf dem Handy – und über diverse Dialoge verteilt. Hier hätte ich mir dann tatsächlich mal eine Spielpause gewünscht. Wenn ich zum ersten Mal ein Monster einsammle, dann müsste tatsächlich auch mal das Spiel anhalten, ein Popup-Fenster erscheinen und mir etwas erklären. Das passiert aber leider nicht. Spätestens in Level 3 schiebt man blind die Monster in die Lücken im Code und hofft dass es funktioniert..

Handbuch und Arduino-Experimente

Schade auch, dass sich Handbuch und Spiel nicht ergänzen. Es gibt zwei Seiten zum Spiel als Einführung, dann wird das Game jedoch nicht mehr erwähnt. Hier hätte ich mir mehr „Zusammenarbeit“ zwischen beiden Medien gewünscht. Das Spiel hätte an strategischen Stellen Experimente vorschlagen können, das Handbuch hätte die Monster abbilden und erklären können. Digitales und Gedrucktes zu kombinieren heißt in der Medien- und Agenturwelt meistens „Komm, wir drucken noch ‚nen QR-Code aufs Poster!“ Hier hätten tatsächlich mal beide Medien sinnvoll ineinander greifen können – schade, dass die Gelegenheit nicht genutzt wird.

Darüber hinaus wird mit dem Handbuch doch noch alles gut! Es gibt 19 einfache, aber zielgruppengerechte Experimente, die ausführlich erklärt werden. Finger-Disko, Blink-Würfel oder Schubladen-Wächter sind einige davon. Und für wichtige Themen wie z.B. die for-Schleife gibt’s dann auch mal ein ganzes Kapitel.

Man kann sicher darüber streiten, ob es zu früh ist, bei Experiment 1 – dem bekannten blink-Programm – bereits am Rande verschiedene Variablen-Typen und Funktionen zu erklären. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, schließlich sind Zusatzinfos ein Plus, und davon gibt es im guten Handbuch eine ganze Menge.

Fazit

Wenn du dich ein bisschen mit Arduino oder Programmierung auskennst und jemanden im Alten zwischen elf und vierzehn Jahren beschenken willst, könnte diese große, bunte Box ein prima Einstieg in die Arduino-Welt sein. Wichtige Voraussetzung: Du sitzt daneben, erklärst, motivierst und nimmst das ganze in die Hand.

Die Hardware und die Idee von KosmoBits gefällt mir unglaublich gut! Super Verarbeitung der Teile, der Arduino / Gamecontroller ist die perfekte Experimentierplattform, denn mit ein paar Tastern, einer RGB-LED, ein paar Sensoren und durch den Akku ist das ganze portabel.

Handbuch und Spiel wurden scheinbar völlig unabhängig voneinander entwickelt. Das sieht man schon an der grafischen Gestaltung: Computerrenderings im Buch, handgezeichneter Comiclook im Spiel. Inhaltlich hätte ich mir das Hand in Hand gewünscht: Das Handbuch erklärt die Monster und Funktionen für die ersten 4 Level, dann wird gespielt. Anschließend geht es im Handbuch mit einem passenden Experiment mit dem Sensor weiter. Danach verweist das das Buch auf die nächsten 4 Level und erklärt die neuen Monster. Das Spiel alleine kann weder die Motivation, noch das Know How zu Programmieren liefern.

Unterstützung für Arduino-Anfänger benötigt

Wer den Kasten verschenkt, braucht selbst ein bisschen Know-How, sollte beim ersten Ausprobieren daneben sitzen und – wenn die Motivation für das Spiel nachlässt – einladen, das Handbuch und die Experimente auszuprobieren. Dann bleibt es ein tolles Arduino-Einsteiger-Set für ältere Kinder und Jugendliche.

Weitere Informationen und Downloads findest du auf der Webseite von Kosmos.

2 Gedanken zu „Kosmobits Arduino Experimentierkasten für Kinder im Test

  1. Das ist fast genauso wie beim Raspery Pi. Die Hersteller lügen das blaue vom Himmel von wegen lernen blabla. Hier wird einfach verkauft wer denkt er könnte hier programmieren lernen der irrt gewaltig. Sehr billige Werbemasche der Firmen. Kosmos hatte da in den 80er mehr zu bieten. Hier geht es einfach nur um Profit und noch mehr Profit für ein billig hergestelltes Produkt ohne jeglichen Lerneffect.

    1. Was hat denn der Rasberry Pi mit einem kompletten Lernkasten zu tun?

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