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SSL Compressor im 19″ Rack Leergehäuse (Teil 2)

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Das leere 19 Zoll Rack ist da – jetzt wird alles verkabelt, Strom angeschlossen, VU-Meter eingebaut und zum ersten Test die Ein- und Ausgänge angeklemmt. Hier gibt’s mehr Details und ein Video mit einem ersten Höreindruck

(Zum ersten Teil…)

19″ Rack Leergehäuse

Das 1 HE Gehäuse besteht aus sechs Teilen:

  • 2 Seitenteile
  • 1 Rückseite
  • Ober- und Unterseite
  • der Front mit den 19″-Rackohren

Alle Teile sind aus 1,2 mm dickem Stahl, die Frontplatte ist aus Aluminium und 3 mm dick. Dadurch lassen sich dort viel einfacher Löcher oder Ausschnitte bohren. Alles ist übrigens schwarz pulverbeschichtet; die Oberseite hat Lüftungsschlitze. Leere Gehäuse kann man in unterschiedlicher Qualität fast überall kaufen. Teilweise ist die Gehäusetiefe unterschiedlich – darauf muss man bei der Bestellung achten. Mein Gehäuse hat nur 36 € gekostet und ist von Das Musikding. Die Qualität ist trotz des geringen Preises sehr gut: alle Teile sind fehlerfrei, passen gut zusammen und sehen wertig verarbeitet aus. Die Gehäuseschrauben ragen ein bisschen ins Innere herein, aber das ist Meckern auf ganz hohem Niveau – ich würde das Leergehäuse auf jeden Fall wieder kaufen!

Verkabelung

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Links unten sind Ringkerntrafo und Kaltgerätebuchse, in der Mitte ist die Hauptplatine vom SSL-Clone, rechts daneben das Erweiterungsboard mit dem Super-Sidechain. Am oberen Rand ist die improvisierte Frontblende zu sehen.

Mit dem Gehäuse lassen sich die Platinen und Teile vom GSSL-Compressor richtig platzieren und somit auch die Längen der Kabel festlegen. Die Front hatte ich vorab grob in Illustrator gestaltet, ausgedruckt und auf Pappe geklebt um die Potis und Schalter halbwegs richtig positionieren zu können. Die Frontblende die beim 19 Zoll Gehäuse dabei war werde ich übrigens nicht verwenden.

Die Verkabelung ist nicht besonders schwierig – wenn man den Kompressor ohne Erweiterung bauen würde, wäre alles nach 15 Minuten erledigt – so kommt aber einiges dazu, denn der Sidechain ist quasi ein Hack, und ich brauche ca. 2 Stunden.

Noch mehr Einzelteile

Bisher fehlte noch das VU-Meter und eine passende Sicherung, die in die Kaltgerätebuchse eingebaut wird. Das VU-Meter von Don-Audio ist nicht super-billig, passt aber perfekt für dieses Projekt. Besonders nett: die Halterung lässt sich verschieben – so lässt sich die Anzeige für alle möglichen Gehäusestärken anpassen und der schwarze Plastikrahmen wahlweise außen oder innen montieren lässt.

vu-meter

Die Sicherungen gab’s für 2,50 € bei eBay.

Argh – nix geht

Alles ist angeschlossen. Mit gehörigem Respekt vor den 230V im selbstgebauten Netzteil schalte ich den Kompressor zum ersten Mal ein; sicherheitshalber über den Schalter eine Steckdose.

Die gute Nachricht: das Netzteil produziert den richtigen Strom: +15V und -15V und Audio läuft verzerrungsfrei durch das Gerät. Aber: der Kompressor lässt sich nicht einschalten! Das Relais arbeitet nicht. Ich messe an diversen Pins – Strom ist überall vorhanden – und setze anschließend einen Hilferuf im DIY-Forum ab. Die Antworten bringen mich aber nicht weiter.

Anfängerfehler?

ssl-kompressor-nachbau-im-19-zoll-1-he-rackEinen Tag später hab ich mehr Ruhe und messe diverse Leitungen und Signalwege: alles fehlerfrei. Bis mir dann doch etwas auffällt: das Erweiterungsboard für den Sidechain hat die Leiterbahnen auf der Unterseite und Lötpads auf beiden Seiten. Im Gegensatz zu den Bauteilen habe ich die Kabel aber von unten eingeführt und oben festgelötet. Und jetzt stelle ich fest: die Platine ist nicht durchkontaktiert! Das bedeutet, dass bei der Herstellung die Lötpunkte auf beiden Seiten des Loches verbunden sind und es somit egal ist, auf welcher Seite man etwas anlötet.

Die Lösung ist ganz einfach: alle Kabel am Super-Sidechain von der unteren Seite nachlöten. Außerdem hab ich noch ein paar Dreher im Wahlschalter für die Lowcut-Frequenz und im Poti fürs Make-up-gain gehabt. Jetzt läuft alles und so klingt’s:

Erste Demo SSL Compressor Clone:

Der Kompressor arbeitet ganz klangneutral – das kann man gut hören. Nichts am Klang wird verfälscht. Er kann ganz unauffällig verdichten oder knackig zupacken – jede der Einstellungen ist absolut sinnvoll und praxisorientiert gewählt.

Die Erweiterung für den Sidechain ist ebenfalls richtig toll und würde ich jedem empfehlen, der den Kompressor auch für’s Mastering einsetzen möchte.

 So geht’s weiter…

Im Moment baue ich die Frontplatte für das 19″ Leergehäuse im Frontpanel-Designer neu auf – mal sehen wie ich dieses Mal die Beschriftung machen. Und ich muss mir überlegen, wie ich die unförmigen Bohrungen für die Buchsen in die Rückseite kriege. Das Finale gibt’s dann im nächsten Teil…

7 Gedanken zu „SSL Compressor im 19″ Rack Leergehäuse (Teil 2)

  1. Hey Götz. Klasse Tutorials, ich bin begeistert. Mir würde der Bau eines dieser Kompressoren gefallen. Ich würde ihn jedoch lediglich als Erweiterung für mein bestehendes In-Ear-Setup nutzen. Es ist doch bestimmt möglich, das Gerät so zu modifizieren, dass ich einen Stereo-Kopfhöreraushang hab, der gleichzeitig das Signal verstärkt? Oder ist eine zusätzliche Verstärkung nicht nötig, weil der Ausgang auch so genügend Leistung hat? Danke dir für deine Hilfe.

  2. Hallo!
    Erstmal mein Lob für deine Tutorials und insgesamt für diesen sehr informativen Blog! Habe ich den dritten Teil des Kapitels nicht gefunden oder hast du den garnicht mehr gemacht?

    Ich bin bis auf ein paar musikding Pedalbausätze noch relativ neu in der DIY Welt und habe ein paar Fragen bezüglich des Materials was nicht in dem Component Kit von PCB Grinder dabei ist.

    Was für Kabel benutzt du?
    Ich vermute für die Energieversorgung sollte man ja schon so 1,5mm – 2,5mm nehmen oder? Ansonsten gehen ja vermutlich auch dünnere Durchschnitte, hast du Tips?

    Außerdem habe ich Schwierigkeiten mit der BOM des Sidechain Mods, manche Teile sind da ja relativ ungenau beschrieben, gibt es da generelle Ratschläge wie man am besten vorgeht?

    Du hast bei deinem ja bei deinem noch so schicke LED´s für den Sidechain und den Bypass eingebaut glaube ich, wie kann ich das realisieren?

    Beste Grüße,
    Paolo

    1. Danke Paolo,
      mit dem dritten Teil bin ich irgendwie nie fertig geworden, aber hast du das Video auf meinem YT-Channel gesehen? https://www.youtube.com/watch?v=w4tdNXln_v0

      Die Stromkabel sollten nicht zu dünn und vor allem sauber isoliert sein. Da der Kompressor aber eher wenig Leistung braucht, reicht 1,5mm lange aus. Für die Audioverkabelung kannst du die dünnste Litze nehmen die es gibt. Ich nehme da gerne 0,5mm Draht – der ist nämlich steif und lässt sich so ordentlicher verlegen.

      Ich hab nur eine LED für den Bypass. Hier nimmst du einfach einen 2-poligen Schalter, klemmst die LED an den zweiten Pol und mopst dir von der Hauptplatine den Strom. Ich glaube die hat 16V (guck aber lieber noch mal nach) und die LED braucht dann entsprechend einen Vorwiderstand. 820 Ohm sollte passen.

      Nimm für den Sidechain einfach 1% 0,25 Watt Metallfilm-Widerstände und Kondensatoren von Wima.

      Viel Erfolg!

  3. hallo götz,
    hast du eine art anleitung inkl. bestandteilliste zum nachbau deines 19″ ssl compressors?
    liebe grüße, alex

    1. Hallo Alex,
      eine Stückliste und eine Anleitung findest du eigentlich auf der Webseite von PCB-Grinder.
      VG
      Götz

  4. Hallo Götz,

    klasse Anleitung! Vielen Dank, dafür. Ohne diese Anleitung und deine Youtube Videos hätte ich mich nicht an das GSSL Projekt herangetraut. PCB Grinder sollte dir Provision zahlen 🙂

    Hier aber jetzt eine technische Frage: Mein GSSL hatte von Anfang an (fast) perfekt funktioniert. Lediglich der Automatic Release Circuit wollte nicht so wie ich. Nach ein wenig hin und her habe ich den Fehler jedoch gefunden und war seitdem zufrieden.

    Jetzt ist mir jedoch aufgefallen, das der Mix über den GSSL immer etwas Linkslastig klingt. So habe ich mich auf die Fehler Suche gemacht und siehe da – NOCH EIN FEHLER! Nach ein wenig Analyse habe ich bemerkt das der rechte Ausgangskanal (bei mir als symmetrische Klinke) „unten rum“ zu dünn klingt. Auch an den Eingangsmetern in Logic sieht man, dass wenn man eine Bassdrum durchjagt scheinbar links mehr signal ankommt. Ich vermute, das auf dem rechten Ausgangskanal einfach <80Hz ne Menge signal weggefiltert wird, was auch den geringeren PeakLevel erklären könnte. Im Übrigen tritt dieser Zustand auch im ByPass auf. Der Fehler sollte also nicht in der Compressor Schaltung liegen.

    Könntest du mir einen Tipp geben, was ich zuerst prüfen/ersetzen sollte?

    Viele Grüße und weiter so,

    René

    1. Danke René,

      puh, das könnte eine ganze Menge Ursachen haben. Das gute ist ja, dass ein Kanal bei dir funktioniert, darum kannst du ja beide Kanäle einfach im Wechsel durchgehen und vergleichen. Vllt. hast du z.B. irgendwo zwei Widerstände vertauscht. Ebenfalls kannst du mit einem Multimeter alles durchmessen.
      Viel Erfolg
      Götz

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