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Studer 169 EQ – Teil 5: Front Panel und Finale

Studio-Equipment selber bauen – Studer EQ 169 im API 500 Format

studer-eq-api-500-fertigSie sind fertig: Ein Pärchen selbstgebaute EQs, nach meinen Wünschen modifiziert und meinem eigenen Front Panel! Wie geil ist das denn bitteschön?! 🙂

Bevor es soweit war, gab’s aber noch Hürden zu nehmen und Fehler auszubügeln…

Zu den anderen Teilen der Geschichte: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4

Modifikationen am Hi-Shelf

Um möglichst easy ausprobieren zu können, hab ich die beiden Kondensatoren die beim High-Shelf die Frequenz bestimmen ausgelötet und die Lötpunkte über vier Kabel nach außen gelegt. Angeschlossen an ein Breadboard kann ich jetzt ausprobieren: einfach unterschiedliche Kondensatoren ohne Löten einstecken und wieder rausziehen.

papp-front-panel-modifikationen-am-low-shelf-eq-auf-einem-breadboard-steckbrett
Das ist keine richtige  Schaltung – ich springe mit den geben Drähten nur zwischen verschiedenen Bauteilen hin und her.

Vertan hatte ich mich trotzdem – das hab ich dann recht schnell bemerkt. Denn anders als beim Low-Shelf verhält es sich hier mit den Kondensatoren umgekehrt: Für eine höhere Frequenz brauche ich nicht eine höhere Kapazität sondern eine niedrigere. War aber nicht so tragisch, da ich zum Probieren verschiedene Werte gekauft hatte.

Verkabelung und Schalter

Weil der Platz auf dem Front Panel so knapp ist, kriegt man nur einen dreistufigen Kippschalter unter, mit dem drei verschiedene Frequenzen möglich sind: eine hohe Frequenz sowie zwei unterschiedliche tiefere Frequenzen. Der Kondensator für die höchste Frequenz wird auf die Platine gelötet (Schalter AUS). In den anderen beiden Schaltpositionen wird jeweils ein anderer Kondensator dazugeschaltet. Die Kapazität addiert sich und die Frequenz sinkt.

Es ist mir richtig schwer gefallen zu entscheiden, welche Frequenzen die besten sind. Für unterschiedliches Soundmaterial passten nämlich unterschiedliche Frequenzen am Besten. Ich habe mir dann zwei Ziele gesetzt:

  1. Keine Frequenz unter 9 kHz. Das Mittenband schafft es bis 7 kHz hoch und da der EQ eher breitbandig arbeitet gibt es sonst Überschneidungen die nicht weiterhelfen.
  2. Er ist kein Mastering-EQ und kein schmalbandiges Präzisionswerkzeug sondern ein EQ für die Aufnahme um mal leicht zu korrigieren oder grob zuzupacken. Ich brauche keine Frequenzbereiche mit denen ich fein etwas veredele, sondern um eine gerade aufgenommene Akustik-Gitarre schnell und einfach schön und rund zu bekommen. Der Feinschliff kommt später.

Das hat geholfen und diese Frequenzen sind’s geworden:

Frequenz 22 kHz (Air) 17 kHz 11  kHz
Kapazität 9 nF 12,3 nF 13,7 nF
Bauteile 6,8 + 2,2 nF 6,8 + 2,2 + 3,3 nF 6,8 + 2,2 + 4,7 nF

Status-LED

led-steckhalterungHierfür musste ich einen größeren Schalter einbauen – dieser schaltet unabhängig voneinander mehrere Schaltkreise. Somit schaltet er die LED getrennt vom Audio einfach ein und aus. Bei der Farbe hatte ich mich eigentlich für purple entschieden. Das ist für eine LED ziemlich ungewöhnlich und hat den meisten Leuten gefallen.

Bei der Gestaltung der Frontplatte kamen dann Platzprobleme. Und aus 5 mm LED wird dann mit Cliphalterung, Beschriftung und ein wenig Abstand zu umliegenden Elementen schnell mehr als ein Quadratzentimeter. Darum bin ich bei einer roten 3 mm LED gelandet – diese gibt’s nämlich leider nicht in lila. Beim nächsten mal kaufe ich übrigens eine transparente Halterung – die weiße sieht doch recht nach Plastik aus.

led-cliphalterung-mit-heisskleber-am-front-panel

Gepasst hat es dann doch nicht so richtig – der perfekte Grund eine Heißklebepistole zu kaufen.

Front Panel – Gestaltung und Herstellung

Eigentlich gibt es ja ein fertiges Front Panel für 27 €. Dort fehlen nur die Löcher für die EQ-Wahlschalter. Ich wollte allerdings etwas eigenes. Ich habe einige Dienste und Hersteller recherchiert. Es gibt allerdings kaum jemanden, der Einzelstücke aus Metall anbietet.

Weil dies mein erster Versuch ist Hardware zu gestalten und herzustellen haben ich bei Tube Town ein Front Panel bzw. eine Faceplate bestellt. Das Panel ist zwar nur aus Plastik, aber inkl. Gravur und Zuschnitt habe ich nur 32 € bezahlt. Allerdings nicht für ein Front Panel sondern für sechs Stück! Dort wird in einem Arbeitsgang die Frontplatte per Laser geschnitten und graviert.

laser-gravierte-und-geschnittene-front-panels

Die Gestaltung ist technisch einfach. In Illustrator eine neue Datei in RGB anlegen. Alle Flächen die schwarz sind werden graviert, alle Haarlinien die als Kontur angelegt sind werden ausgeschnitten. Damit man diese besser unterscheiden kann, färbt man diese rot.

front-panel-erstellen-in-adobe-illustrator

Visuell war die Gestaltung aber die Hölle. Die Positionen der Potis und des Schalters waren durch die Platine vorgegeben. Für zwei Schalter und eine LED war noch genug Luft drumherum. Was aber viel Platz braucht sind die zugehörigen Werte und Markierungen. Ist die Schrift zu klein kann man sie nicht lesen, sind die Abstände zu gering wirkt alles gequetscht. Sind die Abstände zu groß versteht man nicht mehr, welcher Text zu welchem Element gehört.

Dadurch habe ich eine Menge für die Gestaltung von Frontpanels gelernt:

  • alle Elemente die man nicht zwingend braucht: weglassen – weniger ist mehr
  • für Schmuckelemente ist kaum Platz
  • die Anordnung muss sich nach der usability und nicht nach der optisch schönen Gestaltung richten
  • Schrauben, Potis und Schalter sind dreidimensional und können dadurch Text verdecken – dieser braucht je nach Höhe mehr Abstand

Ich freue mich schon auf die Gestaltung eines 19 Zoll Gerätes – da ist sicher mehr Platz für Spielereien und Design.

studer-eq-mit-laser-schnitt-front-panels

Fazit

Es hat sich gelohnt! Neben einem tollen EQ für schnelle Korrekturen habe ich vor allem dazugelernt: Schaltung, Pinbelegungen, Hardware-Design und Front Panel Gestaltung und vieles mehr. Das kann ich beim nächsten EQ-Projekt anwenden! 🙂

studer-eq-api-500-fertig

2 Gedanken zu „Studer 169 EQ – Teil 5: Front Panel und Finale

  1. Hallo Götz, sehr schönes Projekt! Kurze Frage: du hast DOA Sockel eingebaut. Die braucht man aber nicht oder? Du hast dich ja gegen einen DOA (wie z.b. gar2520) entscheiden. Warum? 🙂

    Ich werde mich auch mal an das Projekt setzen 🙂 würde mich über eine Antwort freuen.

    1. Danke, David! 🙂 Ich hab die Sockel eingelötet, weil ich eigentlich für die Zukunft gerüstet sein wollte um doch mal auf DOAs „aufrüsten“ zu können. Ich merke aber, dass mir der klare Klang des EQs so wie ich ihn einsetze super gefällt, und darum isses dann bei den ICs geblieben. Zumal ich schon lange eine EQ mit DOA und Induktoren in der Mache habe… 🙂

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