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Shure M62 Level-Loc – Teil 2: Löten auf gefräster Platine

platine-bestuecken-animation

Hier geht’s zum ersten Teil des Artikels…

Lässt man sich eine Platine fräsen hat das ernste Konsequenzen: das erste Model verschwindet irgendwo zwischen England und Germany in der Post, man produziert unglaublich viel Kurzschlüsse und man hat am Ende einen ziemlich fetten Effektkompressor, der doch mehr kann als gedacht. Bevor wir zum Video mit den Hörbeispielen kommen, erst einmal eine kleine Lötgeschichte…

Platine fräsen = Ärger

platine-gefraest-ohne.beschriftungDie erste Hürde ist die fehlende Beschriftung auf der Oberseite. Ich hangele mich also wie beim Puzzeln von einer Ecke zur andere und versuche anhand des Schaltplans und der Bestückungsskizze zu erkennen, welche Bauteile in welche der kleinen Löcher kommen. Dadurch kann ich nicht wahllos eine Tüte mit Bauteilen greifen, denn ich muss mich ja Schritt für Schritt vorarbeiten und brauche dann immer das nächste Teil. Und so vergeht beim Bestücken die Hälfte der Zeit mit Fluchen und Durchsuchen der Tütchen. Und die Chipsletten sind auch alle…

Im Kurzschluss-Tal des Todes

platine-gefraest-und-komlett-verzinnt-probleme-beim-loetenDie zweite Schwierigkeit ist die vollverzinnte Rückseite. Eine professionell produzierte Platine ist mit einer Lötstop-Maske überzogen. Diese weist Lötzinn ab und fehlt nur direkt an den Bohrungen. So kann man auch mal dicke Flatschen Lötzinn auftragen, ohne das etwas passiert. Das Lötzinn haftet nicht und zieht sich automatisch Richtung Lötstelle zurück. Meine gefräste Platine hingegen ist komplett verzinnt. Sie zieht Lötzinn an wie All-you-can-eat-Buffets dicke Menschen. Und geht etwas daneben bekommt man das Lötzinn nicht mehr weg. Höchsten etwas ausgedünnt.

Das Lötzinn läuft mir also munter in die gefrästen Bahnen rein und an der anderen Seite wieder raus. Ich brauche tierisch viel Fingerspitzengefühl und nur die allerkleinste Menge Lot. Trotzdem produziere ich auf dem ersten Board gleich zehn Kurzschlüsse. Glücklicherweise hab ich alle Lötpunkte  mit dem Multimeter überprüft und konnte die Fehler so gleich ausmerzen.

Nix aus Kualalumpur

Ausnahmsweise sind mal keine besonderen, seltenen, nicht-lieferbaren oder sonstwie ominösen Bauteile nötig, die ich aus fernen Ländern wie USA, UK, Kualalumpur oder vom Ho-Chi-Minh-Pfad  einführen muss. Es gibt alles bei Mouser und der fertige Warenkorb aus dem Forum enthält gerade mal zwei Fehler. Macht nix – schnelle Nachbestellung da ich eh gerade schon für’s Folgeprojekt ordere.

Die Preise sind übrigens wie folgt:

Bauteil Preis
gefräste Platine + Frontpanel 31,00 €
Bauteile 20,00 €
Potikappen  variabel

Viel günstiger kann man kaum ins DIY einsteigen. Hinzukommen ein paar Versandkosten und die Potikappen, bei denen ich erst mal die vom Color-Projekt verwendet hab.

Richtig satt

Shure-M-62-Level-Loc-API-500-Format-compressor-ModulDas erste Modul läuft, und produziert richtig fette analoge Kompression. E-Gitarre über DI angeschlossen, den Preamp leicht übersteuert, ein wenig EQ und dann in den LVL-LOC macht einen absolut großartigen und stabilen Sound. Das Teil ist also nicht nur für Drums zu gebrauchen. Cool!

Beim zweiten Modul bin ich nicht schneller, dafür hält die nervige Sucherei nach Löchern und Teilen zu lange auf. Dafür löte ich wesentlich entspannter und sauberer und schenke mir die Suche nach Kurzschlüssen.

Mist! Zweites Modul ohne Sound

Das zweite Teil läuft natürlich nicht. Nur Stille und Knackser sind zu hören. Modul raus. Multimeter raus. Und da hab ich den Kurzen schon gefunden! Im Bild ist zu erkennen wie links eine kleine Nase aus der Lötstelle herausragt. Wirklich winzig. Im zweiten Bild zum Vergleich ein 6,3 mm Klinkensteckern.

Bedienung

Über Input und Mix (Wet/Dry) lässt sich ziemlich genau einstellen welchen Sound man haben will: wilde Kompression oder doch nur ein leichtes stabilisieren eines trockenen Signals. Reduziert man die Release-Zeit wird der Kompressor zahm, erhöht man den die Vordämpfung (PAD) bekommt man weniger Kompression und mehr harmonische Verzerrungen. Klingt wenig spektakulär, braucht aber in der Praxis keinen einzigen Regler mehr.

LVL_LOK-500-drum-bus-kompressor-stereo-api-500

Fazit

Abgesehen von Kleinigkeiten wie der langen Wartezeit oder den nicht perfekt zugesägten Frontpanels hat es wieder viel Spaß gemacht! Ein günstiger Preis ist immer nett, aber der kann-ich-echt-für-vieles-gebrauchen-Faktor ist richtig hoch. Es hat sich gelohnt!

Wer selbst starten will findet alle Informationen im Forum.

Video

Schlagzeug: Füllt den Sound bei leichter Kompression gut auf, kann bei starker Kompression bis zum Zerr-Effekt werden. Mit -40dB PAD und höherem Input wird die Kompression geringer, dafür steigt die Verzerrung.

E-Gitarre: Glücklicherweise bin ich der Schlechteste Gitarrist Der Welt™ und kann so ein wirklich phantastisches Soundbeispiel liefern. Die Gitarre ist einfach per DI an den Lola Preamp angeschlossen. Keine sonstigen Plugins, Effekte, Ampsimulationen etc. sind drauf außer ein kleiner Hall. Am Anfang DI pur, dann mit etwas EQ und dann mit dem LVL_LOK. Am besten ist der Unterschied bei der letzten Akkordfolge zu hören. Ohne Kompressor ist es nur ein trockener und kurzatmig furzender DI-Sound. Mit Kompressor bekommt das Signal Halt und Sättigung und steht plötzlich präsent da.

12 Gedanken zu „Shure M62 Level-Loc – Teil 2: Löten auf gefräster Platine

  1. hi, bin gerade am selben projekt und hab da gleich mal zwei fragen.
    erstens: die zwei fehler in der mousercard, meinst du damit die potis?
    zweitens: du schreibst materialkosten 20,- eur. mouser sagt 59,- ..
    hast du wo anderst gekauft?
    liebe grüsse, leif

    1. Hi Leif,
      ja, der eine Fehler waren die Potis. Ich kann mich aber leider nicht mehr erinnern, was Fehler Nummer Zwei war, sorry.

      Mit das teuerste sind ja die Kippschalter und Taster. Die hab ich nicht bei Mouser bestellt sondern die günstigen blauen Kipper bei TubeTown ( http://www.tube-town.net/ttstore/Schalter/Kippschalter:::56_369.html ) und Taster hatte ich eine ganzen Auswahl von Audio Maintainance ( http://www.audiomaintenance.com/acatalog/Push_Switches_-_PCB_Mount_.html ).
      Viel Erfolg mit dem Projekt! 🙂
      Götz

  2. Cool! Ich danke dir und werd mal die Fortschritte hier Posten 😉

    1. Sehr gerne! Bin gespannt wie’s bei dir klappt.

  3. so: alles top gelaufen und das teil funktioniert auf anhieb, was nicht wirklich zu erwarten war, bei der gefrästen platine. toll!
    der einzige kleine schönheitsfehler ist, das die bohrungen im panel etwa 3mm zu hoch sind, das modul sitzt schief im gehäuse…hmm.
    mach ich mir jetzt also ein eigenes frontpanel, hätte ich auch gleich machen können…

    1. Super! 🙂 Bei mir sind die Bohrungen okay, allerdings ist das ganze Panel umlaufend 1mm zu klein. Passt aber sonst.

      Für meinen REDD EQ baue ich auch gerade die Panels und probiere die Kombi Alu und Bohrungen von Schaeffer und Beschriftung per Wassertransfer-Folie.

      1. ja, das geht erst mal so, ist nicht eilig. aber ich habe mal ne andere frage: die zweifarbige led war in meiner mouser list nicht dabei.
        was für eine hast du genommen 3mm mit mittel kathode, oder mit mittel anode? oder grösser?

  4. Moin Götz,
    überlege vieleicht mal bei Reichelt oder Pollin (wenn das was passendes ist, gleich zuschlagen, ist mehr ein restposten laden) zu ordern, denn Deine quellen sind arg teuer….

    Versuch mal auf die platinen, bevor Du anfängst zu löten, lötbaren lack aufzusprühen, gibts z.b. von konakt-chemie, das verhindert genau solche probleme, aber ein guter lötkolben/station (weller WECP oder sowas) nebst passender spitze(n) sollte ab 2 platinen/jahr schon sein, denn sonst macht es keinen spass, und erzeugt mehr frust als spass. Sowas ist aber eine einmalige investition, meine WECP hab ich jetzt über 25 jahre und sie funktioniert immernoch wie am ersten tag, nur spitzen hab ich schon reichlich „durch“ denn ich vergess den schon mal wenn ich am „RumMessen“ bin und er läuft stundenlang….

    Meinen kram baue ich konsequent auf lochraster, da aber nur bestes material (FR4) denn sonst baust du für die „tonne“ denn der übliche hartpapier (FR2)-kram ist nicht besonders langzeitstabil und zieht feuchtigkeit….Selbst SMD/konventionell im fröhlichen gemisch ist keinproblem, so man(n) eine feine spitze im lötkolben und gutes lötzinn im spender hat.
    Im hobby-bereich ist bleifreies löten eher kontraproduktiv, umwelt hin oder her, unsere winzig-mengen fallen nicht auf, das zeug wird ohnehin produziert. Ein industrie lötbad läuft selten unter 20 Ltr. im dauerflüssigem zustand, da ist das schon wichtig, aber die paar gramm, die wir verlöten gehen in der rechnung komplett unter.
    Aber die eigenschaften von Bleifreiem lot sind „unter-aller-sau“ für hobby-löter, denn es fleißt kaum, benötigt reichlich hitze (=bauteileTot bei SMD) und flockt mitunter schön vor sich hin anstatt zu löten, ausserdem ist es nicht besonders langzeitstabil, die lötstellen bemommen haarRisse und irgendwann geht das „ding“ einfach nicht mehr, meist dann wenn es gebraucht wird, besonder blöd auf der bühne….

    Ansonsten, Hau Rein! Mach so weiter, GANZ GROßE KLASSE,
    Tubical

    1. Vielen Dank für Dein Lob und Deine Tipps! 🙂

      Wie verhindere ich denn bei dem Lötlack dass ich die eigentliche Kontaktfläche um das Loch in der Platine nicht zusprühe? Gefräste Platinen sind ja nicht durchkontaktiert…
      VG
      Götz

  5. Moin Götz,

    der witz an dem lötlack ist, daß er wegschmilzt wenn Du mit der lötspitze drauf bist. Die haben mehrere lacke und einer davon reagiert so, welcher genau, weis ich nicht mehr, denn den haben wir in der firma benutzt, bei der ich angestellt war, aber das ist jetzt auch schon wieder gut 10 jahre her.
    Das zeug wird auch nicht in massen darauf gesprüht sodaß es in die borlöcher fließt, grade soviel das die platine einen leichten überzug hat, das reicht vollkommen, sonst ist die teure dose viel zu schnell leer.

    War aber von kontakt-chemie, daß weis ich noch, aber die stellen ja zig „dös-chen“ her 😉

    Viel hitze und extra kolophonium zugeben hilft auch, denn dann fließt das zinn super und Du benötigst ned so viel, ergo läuft es nur dahin wo es gebraucht wird und ned sonstwoanders….

    Habe mir geätzte platinen aber abgewöhnt, diese warterei und die layout arbeit, schaltplan im rechner zeichen, DRC, gerber exportieren, checken, zum ätzer geben – wofür? für eine platine, vieleicht zwei – , da nehm ich mir lieber ne gute lochraster und lege los. Schaltplan wird nebenher korrigiert, denn den zeichne ich mit bleistift auf A4 oder A3. So geht es mir am schnellsten von der hand….
    Ist halt hobbie, früher als ich noch layouts gemacht hab, hatte ich meinen kram immer nach der ofiziellen arbeitzeit im selben programm für mich miterledingt, war ja alles da, aber jetzt ist mir das zu zeitaufwändig geworden, einen schaltplan zeiche ich händisch in stunden bis tagen rein, am rechner benötige ich inzwischen tage bis woche(n)…

    Na gut ich hab zig jahre industrie-layouts gemacht, da seh ich sowieso meist schon wie,wo,was hin muss, meist entwerfe ich den schaltplan schon dementsprechend für lochraster, geht halt gleich mit rein, denn ich weis ja wie die bauelemente „von unten“ aussehen, das nennt sich „footprint“, das kommt so mit den jahren, ist wie fahradfahren, einmal gekonnt, nie mehr verlernt und geht automatisch.

    Freu misch schon auf Deine nächste(n) sache(n),
    tubical

    1. Ah, vielen Dank für den Tipp! Sollte mir noch mal ne gefräste Platine unterkommen werde ich das mal ausprobieren! 🙂
      VG
      Götz

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